Lackkratzer entfernen

Autolacke sind so ein Sache. Einerseits geben Sie Deinem Gefährt einen wunderschönen, glänzenden Look und schützen die Karosserie dabei auch noch vor Verwitterung. Andererseits sind sie echt empfindlich. Eine Fahrt durch die Waschstraße kann schon reichen, den gesamten Wagen mit Mikrokratzern zu überziehen. Oder einmal mit einem etwas scharfkantigeren Gegenstand ausgerutscht, Kieselsteine abgekriegt oder Vogelkot reingeätzt und schon ist da eine unschöne Vertiefung in der Oberfläche. Wir erklären Dir, wie Du diese unerwünschten Merkmale aus deinem Lack bekommst und wieder zu perfektem Glanz zurückkommst.

Alles zum Thema - Lackkratzer entfernen:

Unterschiedlich starke Kratzer im Lack erfordern unterschiedlich starke Polituren

Eine Politur gleicht Unebenheiten im Lack aus, indem sie mithilfe von kleinen Schleifkörnchen und Reibung eine dünne Schicht von der Oberfläche abträgt. Dadurch wird die ganze Fläche auf die (annähernd) gleiche Höhe gebracht, wie die der Kratzer, wodurch diese verschwinden.
Je nachdem ob Du nur winzige Haarkratzer im Lack entfernen willst oder gut sichtbare, langgezogene Linien, brauchst Du ein feineres bzw. entsprechend starkes, grobkörniges Poliermittel.

Hast Du eine Ansammlung von winzigen Mikrokratzern, die erst wirklich sichtbar werden, wenn Du Licht aus dem richtigen Winkel darauf fallen lässt, bzw. ab einer bestimmten Menge einfach den Lack matt aussehen lassen, dann reicht eine feine Finish Politur.
Wenn Du Kratzer entfernen möchtest, die auch ohne Lichtreflektionen sichtbar sind und vielleicht auch schon minimal mit dem Fingernagel erspürt werden können, sollte eine grobkörnigere Medium Cut Politur her.
Nochmal größere, wirklich offensichtliche Kratzer erfordern eine abtragungsstarke, grobe Heavy Cut Politur.

Alles, was über eine Finish Politur hinausgeht, benötigt zusätzlich alle Schritte bis zum Finish. Eine Heavy Cut ist ziemlich grob und zieht selber kleine Mikrokratzer rein, die mit dem nächsten Schritt, der Medium Cut, ausgeglichen werden müssen. Dessen Spuren müssen wiederum beim Finish beseitigt werden. Erst dann hast Du wieder den gewünschten Hochglanz.

Hast Du Furchen, die über den Klarlack hinaus, bis in die Farb-/Basislackschicht reichen, hilft Dir eine Politur leider nicht. Du solltest nicht über den Klarlack hinaus polieren, da die Farblackschicht sonst ungeschützt ist und alleine auch nicht so schön aussieht. Du wirst dann also einen unschönen matten Fleck auf dem Auto haben, der mit der Zeit auch noch ausbleicht. Als grundsätzliche Regel gilt: Versuch nicht, jeden Kratzer zu entfernen, sondern schätze ab, ob es wirklich Sinn macht. Selbst wenn er nicht über die Klarlackschicht hinaus geht, gilt immer zu bedenken, dass jede Politur (vor allem tiefergehende) den Lack dünner macht und somit den Spielraum für zukünftige Behandlungen schmälert.

Bevor’s losgeht: Klarlackdicke beachten

Wie schon erwähnt, sollte es um jeden Preis vermieden werden, durch den Klarlack komplett durchzubrennen. Ist das nämlich der Fall, hilft nur eine Neulackierung und das kann teuer werden.
Der professionelle Aufbereiter wird jetzt mit einem Schichtdickenmessgerät mehrere Stellen auf dem Auto abmessen und sicherstellen, dass der Lack überall noch so dick ist, dass er möglichst ohne Gefahr lospolieren kann.

Die wenigsten Leute werden zuhause allerdings so ein Gerät rumliegen haben. Die Messwerte sind aber auch nicht der einzige Faktor, den man zu Rate ziehen kann. Wenn Du einen Neuwagen vor Dir hast, dann hast Du einen frisch aufgetragenen, dicken Lack vor dir. Den kannst Du messen, wenn Du komplett auf Nummer sicher gehen willst, aber grundlegend kann man sagen: es gibt keine besseren Voraussetzungen als ein komplett neuer, unberührter Lack.
Normalerweise kennst Du Dein Auto am besten und weißt, wie oft es schon bei der Aufbereitung war - wo eine Politur nicht unbedingt ungewöhnlich ist - und Du weißt, was Du selber schon daran gemacht hast. Wenn es jetzt ein paar wenige Polituren hinter sich hatte, kannst Du immer noch mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass da noch Spielraum vorhanden ist. Vorsichtig solltest Du definitiv sein, wenn der Wagen bereits einige Jahre alt ist, mehrere Vorbesitzer hatte und auch bei Dir schon ein paar Mal aufbereitet wurde.

Alles in allem braucht es aber einiges, bis so eine Klarlackschicht durch ist. Du erreichst auch nach ein paar Heavy Cut Polituren nicht einfach mal eben den Basislack. Bleibst Du nur bei einer reinen Finish Politur, kannst Du zu 99% bedenkenfrei loslegen.

Hast Du ein Messgerät zur Verfügung, dann solltest Du aber auch nicht zögern, es einzusetzen. Dabei ist zu beachten, dass Schichtdickenmessgeräte nicht nur die Dicke der Klarlackschicht messen, sondern alle Lackschichten zusammen bis zum Blech runter. Das heißt, Du kannst keine 100% sichere Dicke des Klarlacks ermitteln. Deswegen geht man von einer Schätzung aus, wie dick die Grundierung und der Farblack in der Regel sind und zieht diese vom Gesamtwert ab.
So gehst Du vor: Du misst mehrere Stellen auf der Karosse, da nicht überall gleich viel drauf ist. So stellst Du sicher, dass Du nicht von einem zu hohen Wert ausgehst, weil Du auch Stellen erwischt, die dünner sind. Für gewöhnlich ist die Schicht auf einzelnen Teilen zur Mitte hin am dicksten und an den Kanten eher dünner. Dann misst Du am besten die Lackdicke im Türrahmen, da man davon ausgehen kann, dass hier nicht poliert wurde und deswegen noch die Originallackschicht aus dem Werk vorhanden ist. So kannst Du errechnen, wieviel an anderen Stellen bereits wegpoliert wurde.

Alles was Du für die Politur brauchst

Neben den Polituren, wie sie oben beschrieben sind, benötigst Du eine Poliermaschine, entsprechende Polierpads (die Du an der Poliermaschine anbringst) und ein sauberes, lacktaugliches Mikrofasertuch zum Abtragen der Politur hinterher.
Die Polierpads wählst Du am besten passend zu den Polituren. Eine Finish Politur benutzt Du mit einem Soft Cut Pad, eine Medium Cut mit Medium Cut und eine Heavy Cut mit Heavy Cut.

So entfernst Du Lackkratzer - Anleitung

1. Auto waschen

Bevor Du anfängst, solltest Du das Auto waschen. Die Politur ersetzt keine Reinigung. Im Gegenteil können sogar zusätzliche Schäden entstehen, wenn Du den vorhanden Dreck mit der Poliermaschine in den Lack reibst. Wie Du Dein Auto richtig wäschst, erfährst Du in unserem „Auto selber waschen“-Blog. Solltest Du hartnäckigen Schmutz auf der Karosserie haben, den Du mit einer normalen Wäsche nicht in den Griff bekommst, solltest Du diesen in einem Extraschritt bereinigen. Für solche schweren Fälle empfehlen wir Dir eine Reinigungsknete.

2. Poliermaschine vs. Muskelkraft

In dieser Anleitung werden wir die Kratzer mit Poliermaschine entfernen. Bei einer reinen Hochglanzpolitur könntest Du darauf verzichten und die Mikrokratzer per Hand mit einem Mikrofasertuch oder einem Handpolierpad angehen. Bei allem darüber hinaus macht das allerdings keinen Sinn, da Du Dich zu Tode schrubben und vermutlich dennoch nicht zu einem wirklichen Ergebnis kommen würdest.

3. Reihenfolge der Politurschritte

Je nachdem, wie tief die zu entfernenden Kratzer sind, hast Du Dich für einen entsprechenden Politurhärtegrad entschieden. Wir werden hier von der Heavy Cut über die Medium Cut bis zur Finish Politur alle Schritte durchgehen, aber prinzipiell musst Du natürlich nur die Schritte machen, die bei Dir nötig sind. Wenn Du komplett neu in dem Thema und unsicher bist, ob z. B. eine Medium oder Heavy Cut nicht doch zu viel ist, empfehlen wir Dir, erstmal umgekehrt vorzugehen und mit einer feineren Politur anzufangen, um zu sehen, ob die nicht vielleicht sogar reicht. Und falls nicht, zu steigern.

4. Heavy Cut Politur auftragen

Befestige das Heavy Cut Pad mit der Klettoberfläche an der Poliermaschine. Verteile 4 - 5 erbsengroße Körner Heavy Cut Politur darauf auf und presse das ganze leicht auf mehrere Punkte der Fläche, die Du als erstes bearbeiten möchtest auf und verteile das ganze dann auf einer sehr geringen Drehstufe der Maschine auf dem Lack. Das verhindert, dass alles in der Gegend rum spritzt, wenn Du die Maschine auf eine höhere Stufe stellst.
Stell die Drehgeschwindigkeit jetzt hoch, ca. auf die Mittelstufe oder etwas höher und fahre mit leichtem Druck, langsam und gleichmäßig über die gesamte Fläche. Verweile nicht länger auf einer Stelle, da die Politur durch ihre Schleifkörnchen und die entstehende Reibung Hitze erzeugt, die den Lack schädigen könnte, wenn Du’s übertreibst. Je nachdem, wie viel Du abtragen möchtest, gehst Du 1 oder auch 2 mal über den gesamten Bereich drüber.
Jetzt nimmst Du Dir ein sauberes, trockenes Mikrofasertuch zur Hand und entfernst die Politurüberreste komplett von der Oberfläche. Falls Du zähere Überreste hast, die nicht so einfach weggehen, kannst Du Isopropanol (wie unser Isy) zur Hilfe nehmen. Der Lack wird nach einer Heavy Cut Behandlung etwas matter aussehen. Das ist normal und liegt daran, dass Du ihn mit einem ziemlich groben Mittel bearbeitet hast, dessen Zweck kein Hochglanz, sondern ein effizientes Abnehmen von Material ist.

5. Medium Cut Politur auftragen

Tausche das Pad auf der Maschine jetzt durch ein Medium Cut Pad aus und wiederhole den Vorgang aus Punkt 4 mit einer Medium Cut Politur.
Nach dem Abtragen mit einem sauberen Mikrofasertuch wirst Du feststellen, dass der Lack nun weniger Matt aussieht als nach der Heavy Cut, allerdings immer noch nicht so schön, wie er sein sollte. Wichtig ist, dass Du die Politur nach jedem Schritt gründlich entfernst, damit beim nächsten Schritt nicht weiterhin eine zu starke Politur eingerieben wird.

6. Finish Politur auftragen

Als letzten Schritt befestigst Du nun ein Soft Cut Pad an der Poliermaschine und trägst in gleicher Manier wie bisher die Finish Politur auf und verteilst sie schonmal auf der zu bearbeitenden Fläche. Wiederhole das gleiche Vorgehen wie in Punkt 4 und 5.
Beim Abtragen des Poliermittels musst Du diesmal darauf achten, dass Du wirklich sachte vorgehst. Benutze ein sauberes Mikrofasertuch und arbeite mit leichten Druck. Wenn Du auf hartnäckige Stellen stößt, versuch es nicht mit mehr Gewalt, sondern nimm stattdessen nochmal kurz die Poliermaschine in die Hand und geh über den Fleck schnell drüber. Jetzt sollte sich das ganze leichter lösen lassen.

Kratzer mit Zahnpasta entfernen

Richtige Polituren schön und gut. Aber gibt’s nicht auch billige Hausmittel dafür?
Ja die gibt’s. Wohl so ziemlich am meisten verbreitet ist in dem Zusammenhang das Polieren mit Zahnpasta. „Aber warum Zahnpasta?“ fragst Du Dich. Naja, wenn man’s nicht so genau nimmt, haben die meisten Zahnpastas eben eine ähnliche Funktionsweise. Mit kleinen Schleifpartikeln reiben sie den Schmutz von den Zähnen oder eben auch die Kratzer aus dem Lack. Wenn es Dir nicht um Perfektion geht, ist das bestimmt eine Möglichkeit. Vermeiden solltest Du die Nutzung in jedem Fall mit einer Poliermaschine, da die entstehende Hitze dazu führt, dass die Creme austrocknet und richtig zäh kleben bleibt. Aber ganz ehrlich: Wer sich schon eine Poliermaschine gönnt, wird sicher nicht versuchen, Geld mit Zahnpasta zu sparen. Autoliebhaber bleiben lieber bei einer dedizierten Politur. Die ist nämlich für den Anwendungsbereich perfektioniert und schafft die besten Ergebnisse.

Kratzer bis auf’s Blech - Kann man die noch rauspolieren?

Wie schon angesprochen, gibt es beim Kratzer Polieren eine klare Grenze. Und die liegt da, wo der Klarlack aufhört. Alles was darunter liegt, sollte nicht freigesetzt werden, da es erstens optisch nur schlimmer wird und zweitens die empfindlicheren Lackschichten der Witterung und Umwelteinflüssen aussetzt. Wenn der Kratzer in den Basislack (bzw. Farblack) eingedrungen ist, kannst Du noch mit einem Lackstift versuchen, den Makel auszubessern. Einige Autohersteller haben dazu die passenden Farben selber im Angebot und können dann anhand eines Farbcodes perfekt für Dein Auto ermittelt werden. Du willst ja schließlich kein Orange auf dem roten Wagen.
Willst Du richtig tiefe Kratzer am Auto entfernen, hilft nur noch eine Neulackierung. Und falls Du da nicht selber grade zufälligerweise talentiert drin bist, dann heißt’s wohl ab in die Werkstatt.

Auto Kratzer entfernen - Kosten beim Profi

Wie bei allen Schäden kommt es auch hier auf die Tragweite an. Bei einem Kratzer ergibt sich das aus der Länge sowie Tiefe. Einzelne leichte Kratzer bekommst Du oft ab 40 € oder 50 € behandelt. Ist er allerdings so tief, dass lackiert werden muss oder Du möchtest einfach eine Basispolitur (Hochglanzpolitur mit Versiegelung für's ganze Auto), kannst Du mit 3-stelligen Summen rechnen.

Neben dem Schönheitsmakel legen (vor allem) tiefe Kratzer die unteren Lackschichten bis möglicherweise zum Blech selber frei. Diese sind anfälliger gegen Witterung und sonstige äußere Einflüsse. Der Basislack bleicht mit der Zeit unter der Sonne aus und ändert seine Farbe und das Metall rostet.

Einige Hausmittel die im Internet empfohlen werden, scheinen auf den ersten Blick zu funktionieren, sind aber auf den zweiten nicht wirklich effizient, bzw. können sogar zu Schäden führen.
So sieht Öl auf einem zerkratzten, schwarzen Auto erstmal ganz gut aus, gibt bei näherem Hinsehen aber eher einen öligen Look und kann später zu Problemen führen.
Auch ein Edding, um den Kratzer zu übermalen, funktioniert höchstens mäßig. Neben einer meist nicht ganz passenden Farbe hält der auch nicht sonderlich gut.
Das selbe gilt für Nagellack. Der bildet zusätzlich auch noch Blasen, wenn's zu heiß ist.

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Weitere nützliche Anleitungen zur Autoaufbereitung

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